St. Marienkirche Bernau, Foto: S. Steinheisser
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Kein Bildersturm!
Kirchliches und städtisches Lebenvor und nach der Reformation
im Spiegel der Ausstattung der Bernauer Marienkirche

 

In der Marienkirche von Bernau hat sich eine reiche Ausstattung von Bildwerken, kirchlichem Mobiliar und anderen Objekten erhalten, die aus verschiedenen Zeitepochen stammen und sich in dieser Vielfalt und Dichte in kaum einer Pfarrkirche des Landes Brandenburg – und darüber hinaus – erhalten haben. Weithin bekannt ist das imposante doppelflügelige Retabel des Hauptaltars, dessen Bildtafeln dem Umkreis der Wittenberger Cranach-Werkstatt zugeordnet werden. Weniger beachtet wurden bisher weitere vorreformatorische Bilder, besonders aber die reiche nachreformatorische Ausstattung. Dazu gehören neben Taufe, Kanzel, einem bedeutenden Emporenbilderzyklus und zahlreichen Gedächtnismalen auch Fragmente eines Orgelprospektes von Hans Scherer sowie ein außergewöhnlich geschlossen erhaltenes, unmittelbar in den Jahrzehnten nach der Reformation entstandenes Kirchengestühl. Sowohl wissenschaftlich – die letzte umfassende Veröffentlichung zur Kirche und ihrem Inventar stammt von 1939 – als auch für die Identität der Stadt Bernau und die touristische Anbindung wird die Kirche und ihre Ausstattung noch zu wenig wahrgenommen.
    Die Reformationsdekade bietet die Chance, diese Kirche und ihr Inventar einer breiten Öffentlichkeit als Modellfall für die Reformation vor Ort vorzustellen. Gerade weil es sich bei Bernau nicht um einen der großen Schauplätze der Reformation handelt, lässt sich hier besonders gut zeigen, wie sich die Reformation im Leben einer »normalen« Stadtgesellschaft auswirkte und wie sie das alltägliche Leben geprägt hat. Die Bernauer Kirche hat das Potential, Lebens- und Glaubensvollzüge der vorreformatorischen Zeit und zugleich der lutherischen Frömmigkeit über die Schwelle der Reformation hinweg anschaulich zu machen. Dabei steht die religiöse Praxis im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit keineswegs für ein gesellschaftliches Randthema, das nur die Theologie und Kirchengeschichte etwas angeht. Die Frömmigkeit bildet vielmehr einen zentralen Bezugspunkt der allgemeinen Geschichte, denn sie vermittelte die Modelle für eine Orientierung in der Welt. Die Bernauer Kirche kann durch ihr Inventar dieses Ringen um Normen und Werte im Rahmen des sozialen und politischen Zusammenlebens einer städtischen Kommune sichtbar machen. Ihre Ausstattung widerspiegelt auch die soziale Ordnung der Stadt und macht das Zusammenspiel von Religion und Politik im Erleben der Bürger sichtbar. Es geht also nicht primär um eine lokale oder regionale Aufarbeitung der Reformationsgeschichte, sondern vielmehr darum, an diesem Modell grundlegende Fragen der Wirkungen der Reformation im Alltag der Menschen aufzuzeigen. Zugleich soll dieser bisher im Rahmen der Reformationsdekade kaum thematisierte, aber zentrale historische Aspekt in der entstehenden Jubiläumslandschaft gestärkt werden.
    Vor diesem Hintergrund beabsichtigt die Kirchengemeinde Sankt Marien in Bernau die wissenschaftliche Aufarbeitung des erhaltenen Inventars der Marienkirche, seine angemessene Präsentation und die Vermittlung seiner kirchen-, kunst- und kulturgeschichtlichen Bedeutung und Funktion für ein breites Publikum. Durch eine günstige Konstellation hat sich im Vorfeld der Antragstellung eine Zusammenarbeit von Kirchengemeinde, Kommune und Wissenschaft ergeben, die die Realisierung des Vorhabens ermöglicht. Eine vom Gemeindekirchenrat beauftragte Vorbereitungsgruppe, zu der die Restauratorin und bildende Künstlerin Christa Jeitner, die Grafikerin und Bauforscherin Annett Schauss und der Kirchenhistoriker und Ausstellungsmacher Dr. Hartmut Kühne gehören, hat sich seit November 2013 mit dem Vorhaben befasst. Die einzelnen Schritte des Vorhabens wurden von Beginn an mit dem Kirchlichen Bauamt der EKBO/Projektstelle »Erfassung des kirchlichen Kunst- und Kulturguts« (Dr. Maria Deiters), dem Landesamt für Denkmalpflege (Werner Ziems, Hans Burger) und dem Förderverein Alte Kirchen (Bernd Janowski) intensiv beraten. Der Gemeindekirchenrat hat den aus dieser Zusammenarbeit entstandenen Planungen am 22. Mai 2014 zugestimmt.

    Das Projekt fügt sich mit seinem geplanten Beginn im Jahre 2015 bewusst in das Themenjahr »Reformation – Bild und Bibel« ein. Mit der Thematisierung des Altarretabels aus dem Cranach-Umfeld knüpft es an das mit diesem Themenjahr verbundene Cranachjubiläum an, erweitert den Blick aber darüber hinaus auf grundlegende Fragen des Bildgebrauchs in den lutherischen Kirchen und insbesondere in der Mark Brandenburg mit ihrem eigenen Reformationsverlauf. Hierauf spielt auch der Titel des Projektes an, unterblieben doch in Folge der eigene Wege gehenden Religionspolitik Kurfürst Joachims II. reformatorische Bilderstürme in der Mark Brandenburg. Dieser historische Raum eignet sich mit seinen reich überlieferten kirchlichen Kunstbeständen wie sie die Bernauer Marienkirche par excellence zeigt, in besonderem Maße mit pauschalen Vorurteilen über eine angeblich bilder- und sinnenfeindliche protestantische Konfessionskultur und einen harten kulturellen reformatorischen Bruch aufzuräumen.
    Das Projekt soll angesichts der Komplexität des Vorhabens und der Vielschichtigkeit der angestrebten Vermittlungen mit einer zwei Jahre umfassenden Laufzeit seinen Abschluss im Jubiläumsjahr der Reformation 2017 finden.
   Das Projekt umfasst drei Bereiche: die wissenschaftliche Aufarbeitung des Kirchen-inventars und seiner Geschichte einschließlich einer Publikation des aktuellen Forschungsstandes, die angemessene Präsentation des Inventars im Kirchenraum, wozu auch die Restaurierung bedeutender zusammenhängender Objekte zählt, sowie die Erschließung des Kirchenraumes und Inventars für eine breite Öffentlichkeit und die Vermittlung seiner Bedeutung und Funktion. Diese Vermittlung zielt zugleich auf unterschiedliche Gruppen. Es geht auch darum, der heutigen Kirchgemeinde und allen interessierten Protestanten einen Einblick in die eigene, oft verschüttete Geschichte zu ermöglichen. Vor allem aber geht es darum, den Bürgern am Ort, in der Region und auch im Land Zugänge zum Thema Reformation und Religion zu bieten, und so dazu beizutragen, dass im Jahre 2017 jeder in Deutschland weiß, was eigentlich gefeiert wird und in die Lage gesetzt wird, die historischen Ereignisse auf sich zu beziehen. Es geht in gleichem Maße um die Erschließung des Kirchenraums für Menschen, denen Kirche und Religion fremd sind. Im Blick ist aber auch, dass Bernau durch die Anbindung an die Berliner S-Bahn in ca. 30 Minuten von Berlin-Mitte aus zu erreichen ist. Das touristische Potential, das die Marienkirche für die Berliner Tourismusregion bietet, und umgekehrt die touristischen Möglichkeiten, die sich durch die Region für Bernau ergeben, sollte das Projekt entwickeln helfen. Dazu muss aber dieser Teil der kommunalen Geschichte als Chance und Teil der eigenen Identität begriffen werden. Das Vorhaben soll so modellhaft zeigen, dass auch ein damals wie heute nicht im Zentrum der großen Ereignisse stehender Ort zur deutschen Reformations- und Jubiläumslandschaft gehörte und gehört.


1. Wissenschaftliche Aufarbeitung
1.1 Tagung

 

Da eine umfassende Aufarbeitung der Ausstattung der Marienkirche zuletzt im Rahmen des in den 1880er-Jahren begonnenen Inventars der Bau- und Kunstdenkmäler in der Provinz Brandenburg durch Heinrich Jerchel 1939 entstand1, neuere Forschungen nur zu einzelnen Ausstattungsteilen erfolgten2
und eine moderne Stadtgeschichte3 oder regionale Kirchengeschichte fehlt, setzt das geplante Vorhaben eine wissenschaftliche Bearbeitung und den Austausch zwischen Experten voraus. Dies ist nur zu leisten, indem die Einsichten jener Wissenschaftler aus den Disziplinen der Kunstgeschichte, Restaurierungswissenschaften, Geschichte und Kirchengeschichte, die sich mit dem Bau, seiner Ausstattung und Nutzung sowie mit dem kirchen- und frömmigkeitsgeschichtlichen oder dem kunst- und kulturgeschichtlichen Kontext in jüngerer Zeit beschäftigt haben oder anlässlich des Projektes neue Forschungen in Planung haben, ihre Kenntnisse und Einsichten auf einer Tagung vorstellen, miteinander austauschen und einer interessierten Öffentlichkeit präsentieren. Daher soll eine solche Fachtagung am Beginn des Vorhabens stehen. Sie wird am 6./7. November 2014 als gemeinsame Veranstaltung der Kirchengemeinde, der Stadt Bernau, der Landeskirche und des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege sowie des Fördervereins Alte Kirchen veranstaltet werden.
1.2 Kunstgutinventarisierung

 

Verknüpft mit dem Projekt ist die Erfassung der Ausstattung der Marienkirche Bernau. Dies geschieht im landeskirchlichen Auftrag im Rahmen des Projektes zur Erfassung des kirchlichen Kunst- und Kulturgutes der EKBO (anteilig finanziert über Projektmittel).
    Die Erfassung soll bereits im Sommer 2015 im Vorfeld der geplanten Tagung beginnen und einen zweiten Arbeitsschwerpunkt im Winter/Frühjahr 2016 setzen. Ergebnisse der Erfassung können auf diese Weise bereits in die Tagung und die Erschließung der Ausstattung über »Themeninseln« im Kirchenraum einfließen, umgekehrt können aus der Tagung und der interdisziplinären Zusammenarbeit gewonnene Erkenntnisse eine vertiefte und genauere Einschätzung der Kulturgüter ermöglichen. Die Einbindung in den Rahmen des Projektes ermöglicht es, Erfassung, Erschließung und Konservierung kirchlicher Kulturgüter auf ideale Weise miteinander zu verknüpfen und damit auch der Bedeutung der Ausstattung von St. Marien gerecht zu werden. Dem entspricht auch der Plan, die Erfassung nicht nur im Rahmen der EKBO-Kunstgutdatenbank zu dokumentieren, sondern auch über ein dem Tagungsband beigegebenes Kurzinventar mit Fotos zu publizieren. Synergieeffekte ergeben sich hier zudem mit dem Projekt zur Erfassung der mittelalterlichen Wandmalereien im Nordosten Brandenburgs (Kooperationsprojekt EKBO, Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege, FH Potsdam gefördert von der Deutschen Bundestiftung Umwelt) im Rahmen dessen auch die bedeutenden mittelalterlichen Wandmalereien in der Bernauer Marienkirche kunsthistorisch und restauratorisch erfasst und bearbeitet werden.
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1Die Kunstdenkmäler der Provinz Mark Brandenburg III/4: Die Kunstdenkmäler des Kreises Niederbarnim, bearbeitet von Heinrich Jerchel und Joachim Seeger, Berlin 1939.
2Hannelore Sachs: Der Flügelaltar von St. Marien zu Bernau, Berlin 1989; Ulrich Schöntube: Emporenbilderzyklen in der Mark Brandenburg. Ein Beitrag zum lutherischen Bildprogramm des 16.  18. Jahrhunderts, Frankfurt a. M. u.a. 2008, S. 68-75; Ernst Badstübner/Peter Knüvener: Die Stadtpfarrkirche im Mittelalter. Das Beispiel Bernau, in: Im Dialog mit Raubrittern und Schönen Madonnen. Die Mark Brandenburg im späten Mittelalter. Begleitband zum Ausstellungsverbund »Raubritter und Schöne Madonnen«, hg. von Clemens Bergstedt, Berlin 2011, S. 259-266; Christa Jeitner: Kat. Nr. 1.4.8 Fürleger, in: Alltag und Frömmigkeit am Vorabend der Reformation in Mitteldeutschland  Katalog zur Ausstellung »Umsonst ist der Tod«, hg. von Hartmut Kühne  Enno Bünz – Thomas T. Müller, Petersberg 2013, S. 62f.
3Der jüngste Versuch einer Stadtgeschichte stammt von Artur Daluege: Die Chronik der märkischen Stadt Bernau: nach den Aufzeichnungen der Chronisten Seiler und Wernicke, Berlin 1937.


1.3 Publikation

 

Gemeinsam mit den Ergebnissen der Tagung und evtl. noch weiteren ggf. zusätzlich einzuwerbenden Beiträgen soll das Kurzinventar in Buchform gedruckt werden. Die Finanzierung der Druckkosten hat das Landesamt für Denkmalpflege ebenso zugesagt wie die Übernahme des Bandes in die Reihe »Arbeitshefte des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums«, die im Berliner Lukas-Verlag erscheint.
Mit dieser Publikation soll ein Buch vorliegen, welches das interessierte Publikum wie auch die Fachwissenschaftler zuverlässig über die Ausstattung der Bernauer Marienkirche informiert und die historische Nutzung des Kirchenraumes sowie die damit verbundenen Formen der Frömmigkeit erläutert. Diese Publikation ist auch eine wesentliche Grundlage für eine mediale Erschließung des Kirchenraumes, die im Jahre 2017 realisiert werden soll.
2. Präsentationen, Rekonstruktionen und Restaurierungen im Kirchenraum

 

2.1 Mediale Erschließung des Kirchenraumes und seiner einstigen Funktionen

 

Geplant ist Themeninseln einzurichten, die im Kirchenraum mit Bezug zu bestimmten Ausstattungsstücken grundsätzliche Fragen von Veränderung und Kontinuitäten zwischen vor- und nachreformatorischer Zeit deutlich machen sollen. Darin werden bestimmte Funktionen der Kirchenausstattung
im Hinblick auf die darin ablesbare Frömmigkeit und kirchliche Praxis erfahrbar gemacht. Es handelt sich dabei um folgende Themen:
- »Altar und Bild« mit Bezug auf das Hochaltarretabel, das Sakramentshaus und die Altarblöcke im Chorumgang,
- »Bilder und Memoria« mit Bezug auf die Epitaphien bzw. Epitaph-Fragmente im Chorumgang,
- »Bild und Bibel« mit Bezug auf die Emporenmalereien,
- »Sprechen – Hören; Stehen – Sitzen« mit Bezug auf den ursprünglichen Ort der Kanzel und die verschiedenen Gestühle,
- »Beichte und Bekenntnis« mit Bezug zu den erhaltenen Beichtstühlen,
- »Musik, Wort und Bild« mit Bezug auf die Rekonstruktion des historischen Orgelprospektes.
Weiterhin wird eine mediale Vermittlung erarbeitet, mit der der Besucher agieren kann. Für die Herstellung einer solchen medialen Führung werden u. a. die Tagungsergebnisse und die Publikation zur Grundlage. Außerdem werden zu dessen Herstellung weitere kunst- und kirchenhistorische Recherchen, auch im Bestand des Bernauer Pfarrarchivs, nötig.
    Es ist daran gedacht, neben der für erwachsene Besucher herzustellenden Version auch eine Führung für Kinder und Jugendliche anzubieten. Diese soll in Kooperation mit einer Bernauer Schule entwickelt werden, wodurch sich das Vorhaben auch im Umfeld der Stadt verankern lässt. Diese Audioführung ist als Abschluss des Vorhabens geplant; sie soll eine moderne Form der Vermittlung von Zugängen zum Kirchenraum, seiner Aufgabe und Nutzung über die Schwelle der Reformation hinweg bilden. Dies sollte auch als Möglichkeit verstanden werden, einen niedrigschwelligen Zugang zum Wissens- und Erfahrungsraum Kirche und Religion zu schaffen. Eine Fertigstellung wird um den Reformationstag 2017 angestrebt.


2.2 Wiederaufstellung des Prospektschmucks der Hans-Scherer-Orgel

 

Die von dem Hamburger Orgelbauer Hans Scherer 1573 errichtete große und überregional gerühmte Orgel (erweitert von Arp Schnitger, Andreas Lehmann u. a.), versehen mit einem Stadtwappen von Bernau, wurde 1864 abgerissen. Einzelteile des prächtigen, künstlerisch bedeutenden Orgelprospekts wurden aufbewahrt: 14 geschnitzte Figuren, zwei ungewöhnlich geschmückte hölzerne Prospektpfeifen, das Bernauer Stadtwappen und eine Reihe von Ornamentteilen. Ein Teil dieser Stücke befindet sich heute als Leihgaben der Kirchengemeinde im Haus für Brandenburgisch-Preussische Geschichte, wichtige Stücke befinden sich in der Kirche und werden heute auf dem Schülerchor aufbewahrt. Sie sind teilweise in einem konservatorisch bedrohten Zustand. Geplant ist es, den Bestand wieder zusammenzuführen und für den Kirchenraum wieder zu erschließen und sichtbar zu machen. Die Leihgaben werden aus Potsdam zurückgeholt, die noch in St. Marien befindlichen unbearbeiteten Figuren und Ornamente restauriert. Ein Orgelfachmann erforscht das reiche Quellenmaterial im Stadtarchiv, eine Restauratorin mit Scherer-Erfahrung die ikonografischen Zusammenhänge der Figuren. In Zusammenarbeit mit diesen Experten soll ein Prospektmodell entwickelt werden, in das sich die Prospektpfeifen und Figuren einstellen lassen. Es fände Platz auf der südlichen Orgelempore, direkt neben dem ursprünglichen Ort der historischen Orgel. Die Visualisierung der plastischen Überreste würde auf die repräsentative Bedeutung der Marien-Kirche in Bernau hinweisen, zudem wäre damit ein wesentlicher Gewinn für die Hans-Scherer-Forschung geschaffen.
    Die Restaurierung und Neupräsentation der Fragmente des Schererschen Orgelprospektes sind auch Gegenstand des diesjährigen gemeinsamen Spendenaufrufes des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege, der EKBO, des Förderkreises Alte Kirchen und der Stiftung Kirchliches Kulturerbe »Vergessene Kunstwerke« (Start Dezember 2014).
2.3 Neuordnung Schauraum Schülerchor, Neuordnung Depot Mönchschor

 

Die architektonisch als Doppelgeschossanlagen Sakristei mit Schülerchor (auf der Südseite) sowie Brautportal mit Mönchschor (auf der Nordseite) herausgehobenen Nebenräume des 1485 beendeten Bauabschnittes sollen neu geordnet werden.
    Der Schülerchor wird in seiner einstigen Funktion vorgestellt: Liturgischer Chorgesang (Lateinschule), 1585 Erweiterung durch Überbrücken des Chorumgangs, Mauerritzungen, Liedtafeln, Liederbücher, Schülerbänke. Anknüpfend an das ehemalige »Kirchenmuseum«, das der Bernauer Lehrer und Küster August Ewald hier Mitte des 19. Jahrhunderts eingerichtet hatte, werden im Schauraum Schülerchor Gebrauchsgut, Paramente und die Front des mittelalterlichen Sakristeischrankes (s. Pkt. 2.4) ausgestellt. Dieser wird begrenzt – in Führungen – zugänglich gemacht.
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4 Martin Luther: Großer Katechismus: Eine kurze Vermahnung zu der Beicht, in: Die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirchen, hg. vom Deutschen Evangelischen Kirchenausschuß, 2 Bde., Göttingen 1930 (10. Auflage Göttingen 1986), Bd. 2, S. 725–733, hier bes. 732f.; Schmalkaldische Artikel, ebenda, Bd. 1, S. 453. Confessio Augustana, Artikel XI, ebd., Bd. 1, S. 63f; Artikel XXV., ebenda, S. 97–100. Vgl. auch: Emil Fischer: Zur Geschichte der Evangelischen Beichte, 2 Bde (Studien zur Geschichte der Kirche VII,2 und IX,4), Leipzig 1902/1903 [Neudruck Aalen 1972]; Ernst Bezzel: Frei zum Eingeständnis. Geschichte und Praxis der evangelischen Einzelbeichte (Calwer theologische Monographien C10), Stuttgart 1982.
5 Ernst Bezzel: Art. »Beichte« III / Reformationszeit, in Theologische Realenzyklopädie 5, Berlin/New York 1980, S. 421–422, das Zitat hier S. 424.


2.4 Restaurierung der reich beschlagenen Eichenbohlenfront des Einbauschrankes aus der Sakristei, sog. »Geldschrank«

 

Zu den kulturhistorisch interessantestenWerken, die sich heute – teilweise stark fragmentiert und geschädigt – auf dem Schülerchor befinden, gehört die Front eines Einbauschrankes aus eisenbeschlagenen Eichenbohlen (Höhe 148 cm, Breite 107 cm). Seine zweiteilige Mitteltür weist auf ein unteres flaches Fach hin. Die starken Bohlen, ihr auffallender und seltener Verbund sowie die Beschläge und die Methode des Einbaus machten ihn einbruchsicher. Vermutlich verschloss er eine Wandnische in der Sakristei, die zu dem 1485 begonnenen Umbau gehört.
Holz und Eisen sind zu reinigen, zu richten und zu befestigen. Alle Teile sind zu konservieren. Zu klären sind sowohl die Sicherheitsfunktionen als auch seine ehemalige Lokalisierung. Zu entwickeln, herzustellen und zu montieren ist ein Präsentationsgestell. Zu konzipieren ist die Aufstellung im neu einzurichtenden Schauraum Schülerchor (ehem. »Kirchenmuseum«).

 

Antrag (download als PDF)


>> Tagung: »Die Stadt in der Kirche« St. Marien Bernau


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