St. Marienkirche Bernau, Foto: S. Steinheisser
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Ich bin schon immer gerne über Friedhöfe gegangen, schon als Kind. Ich habe bei den Grabsteinen lesen gelernt und auch rechnen. Wie alt ist dieser Mensch geworden? Und mich faszinierte schon damals der Gedanke: Hinter jedem Namen steht ein ganzes Menschenleben, einmalig, unverwechselbar.
Vor einiger Zeit traf ich auf einen besonderen Grabstein. Auf ihm standen kein Name und keine Lebensdaten, sondern Sätze voller Zauber. Da hatte jemand sein Leben in klingende Sätze gefasst.
monatswortHier stellt einer sein Leben in den großen Zusammenhang von allem, was lebt: Millionen Jahre vor mir, Millionen Jahre nach mir, dazwischen ein paar Sommer, in denen ich auf der Erde war. Mehr war es nicht, mein Leben. Aber weniger auch nicht.
Was bin ich eigentlich noch wert, wenn ich an die Millionen Jahre vor und nach mir denke? Was liegt der Welt an mir, wenn ich mein Leben im großen Zusammenhang sehe aller Dinge und Geschöpfe, die auf Erden waren und noch sein werden?
Solche Gedanken ernüchtern ja sehr. Da kommt man sich so bedeutend vor im Beruf und in der Familie, man ist Mittelpunkt seiner eigenen Welt - aber kaum sieht man sein Leben im Zusammenhang der Millionen Jahre vor und nach dem eigenen Leben, wirkt dieses doch verschwindend gering. Man nimmt sich so wichtig. Doch alles, was so bedeutend aussieht, ist doch flüchtig und nichtig, ist nur ein Haschen nach Wind, sagt uns der weise Prediger Salomo im Alten Testament. Und er hat Recht. Auf der einen Seite ist das Leben wie ein Nichts im großen Fluss des Lebens.
Auf der einen Seite, unter dem einen Blickwinkel, ist das so.
Aber es gibt ja noch eine andere Seite, einen anderen Blickwinkel. Auch der steht auf dem Grabstein: Wer für sein Leben dankt, macht es wertvoll. Nur der Dank macht aus einem flüchtigen ein wertvolles Leben. Der hier seinen Grabstein machen ließ, beendet die Sätze mit dem Dank für ein paar Sommer. Und der Apostel Paulus schreibt seiner Gemeinde in Rom (Römer 14,8): Wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Wir gehören nicht der Flüchtigkeit, wir gehören Gott. Nur das gibt dem Leben Tiefe und Wert.
Darauf kommt es ja vor allem an: Dass unser Leben Wert hat, dass es nicht verfliegt wie der Sand am Meer, dass es nicht im großen Vergessen verschwindet.
Wer in diesen Herbsttagen die Vergänglichkeit spürt und fürchtet, sollte sich dieser Furcht nicht hingeben, sondern versuchen, den Blickwinkel zu ändern. Das ist gar nicht so nicht schwer. Wer sich sorgt, sollte sich der Sorge nicht ausliefern, sondern etwas dagegenstellen. Nämlich den Dank!
Wofür kann ich danken? Was wurde mir geschenkt? Wer oder was sorgt für mich? Die Antworten auf diese Fragen ändern den Blick. Aus der Flüchtigkeit von allem leuchten dann die Dinge und Menschen hervor, die mein Halt waren und sind, die mein Leben leichter machen und für die ich Gott einfach danken muss. Nur Dank gibt dem Leben Tiefe und Wert. Wer dankt, lebt bewusster im Hier und jetzt, wer dankt, weiß woher er kommt und wohin ergeht, der weiß sich verbunden mit Gott im Leben, im Tod und in der Ewigkeit.
Es grüßt Sie ganz herzlich

Ihre Pfarrerin Konstanze Werstat


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