St. Marienkirche Bernau, Foto: S. Steinheisser
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Endlich habe ich einmal Gelegenheit, zu euch zu sprechen, liebe Gemeinde,
ich, eure Kirche und das aus gutem Grund: Feiere ich doch in diesem Jahr das
500. Jubiläum meiner Fertigstellung. Zu Anfang möchte ich gleich um ein wenig Verständnis bitten: Mein Gedächtnis − das könnt ihr euch denken − ist nach Jahrhunderten nicht mehr das allerbeste.  
Vieles ist ja schon so lange, lange her…

Um 1250 begannen die Bürger der neu gegründeten Stadt Bernau mit meinem Bau – zunächst klein und bescheiden als einfacher Saalbau, wurde ich schon um 1300 erweitert zu einer repräsentativen Gewölbe-basilika. 100 Jahre später sollte ich noch größer, höher und schöner werden. 2400 Einwohner hatte die Stadt damals – ich kannte sie alle, denn jeder beteiligte sich damals mit Arbeitseinsätzen, mit Hand-langerdiensten und der Bereitstellung der Fuhrwerke. Es war eine ambitionierte, großartige Gemeinschaftsleistung.
Allein mein Dachstuhl! Für das benötigte Holz wurde der Bernauer Stadtwald komplett gefällt. Das waren Bäume mit Durchmessern von mindestens
1,5 Metern! Mehr als 50 Kilometer haben die Arbeiter damals sägend zurückgelegt für all die Balken und Sparren. Beeindruckend war auch der breite Doppelturm, in dessen Westturm sogar eine Wohnung für den Türmer eingebaut wurde. Für das Gewölbe wurde ein bedeutender Meister, Peter aus Luckau, herangeholt. Er verewigte die Fertigstellung seiner Arbeit mit einer Wandinschrift. Damit war ich 1519 vorerst fertiggestellt. Allerdings sah ich doch noch ganz anders aus. Ich war ja auch noch katholisch damals mit vielen verschiedenen Seitenaltären im Chorumgang. Und die Messe wurde auf Latein gehalten. Zu dieser Zeit legte sich der Mönch Martin Luther mit dem Papst in Rom an. Allerdings sollte es ein paar Jahre dauern, bis die Reformation hier in Bernau ankam. Die Zeit der Bilderstürmer war bereits vorbei und die Reformation verlief hier recht friedlich. Ein großes Glück, dass der wunderbare Marienaltar oder die Baldachin-Madonna erhalten geblieben sind und auch einige Figuren der Seitenaltäre nicht entsorgt, sondern neu verwendet wurden.
Diese kann man noch heute in der Kanzel sehen, die zusammen mit der neuen Taufe 1606 in die Kirche kam. 

Thomas Fleming hieß übrigens der erste evangelische Pfarrer, der 1541 hier in Bernau seinen Dienst antrat. Gottesdienste auf Deutsch und nicht mehr auf Latein, verständliche Predigten, deutsche Lieder, das war schon ein Erlebnis. Doch der Begeisterung folgte das Chaos. Der 30-jährige Krieg brachte Gewalt und plündernde Soldaten, die auch mir übel mitgespielt haben. Viel schlimmer traf es jedoch die Menschen. Davon sprach Probst  Strömann in seiner Leichenpredigt, die er für den in meinen Mauern aufgebahrten gefallenen Schwedenkönig Gustav Adolf hielt. „Was das Schwert nicht gefressen, hat die Seuche getötet. Und was diese nicht getan, hat der Hunger geschafft.“ Glücklicherweise überlebten einige Bernauer und mit meiner Hilfe blieb der Glaube in Bernau lebendig, die Worte und Gebete, vor dem Altar gesprochen, spendeten Trost und machten Mut, die Bibelverse, von dieser Kanzel gepredigt, schenkten neue Hoffnung, die Lieder, in diesen Bänken gesungen, gaben Mut und Zuversicht.

Zu jeder Zeit haben die Bürger der Stadt für meinen Erhalt gesorgt; immer wieder wurden neue Ausstattungsstücke wie Bilder, Epitaphien, Emporen-malereien oder 1864 sogar eine neue Orgel eingebaut, die leider nur 100 Jahre halten sollte. Vieles davon kann man heute noch sehen. Die Bilder finde ich am eindrücklichsten. Sie erinnern mich immer an meinen biblischen Hintergrund. Wiewohl ich schon so alt bin, sagen sie mir: Du bist Teil einer Geschichte, die noch viel älter ist. Und immer noch sehr lebendig. Wenigstens fühle ich mich so.

Viele Feste habe ich seitdem erlebt. Manchmal streiten sich Menschen um einen Platz, oft bleiben viele Plätze leer. Seltsam... Und so ging es weiter, ein ständiges Auf und Ab. Mal ging es gut, dann kamen wieder schwere Zeiten. Ganz schlimm waren im letzten Jahrhundert die beiden Weltkriege. Not lehrt Beten, das mag stimmen. Aber ob diese Wünsche immer im Sinne Gottes sind, da habe ich doch meine Zweifel. 

Wer in Jahrhunderten nur einmal Gelegenheit zum Reden hat, der sollte sich auf das beschränken, was ihm wirklich am Herzen liegt. Und am Herzen liegt mir, liebe Gemeinde, dass ihr Gott nicht vergesst. Eure Vorfahren haben mich unter Mühen und Opfern zu seiner Ehre gebaut: Das größte und schönste Gebäude in Bernau. In diesem Festjahr kann ich dazu vielleicht einen Wunsch äußern: Ich möchte ein Ort der Ruhe und der Besinnung für euch sein. Manchmal spüre ich so viel Unruhe und Ungeduld bei denen, die zu mir kommen. Ich würde ihnen gern mein Schweigen schenken und einen Teil meiner viele Jahrhunderte alten Erfahrung in Geduld und Ruhe, in der Ehrfurcht und Dankbarkeit gegenüber Gott.

Ich möchte ein Ort sein, der euch an die Gegenwart Gottes in eurem Leben erinnert. Ich will ja gar nicht der einzige Ort sein, so überheblich bin ich nicht, immer und überall kann man an ihn denken. Aber in meinen Mauern könnt ihr gemeinsam an ihn denken, ihn loben, zu ihm beten.
Ich möchte ein Ort des Miteinanders sein, der Gemeinschaft. Ihr seid schließlich eine Kirchengemeinde. Vergesst das nicht!
Ich wäre auch gerne weiterhin der Ort, der euch Sicherheit und Trost schenkt. Ich denke wirklich, ich könnte euch da helfen.  
Denn ein wenig seid ihr für mich wie meine Kinder. Schon kurz nach der Geburt habe ich euch kennengelernt, bei eurer Taufe. Manche sind zum Kindergottesdienst zu mir gekommen, viele haben als Konfirmanden vor meinem Altar gekniet oder bei ihrer Trauung. Bei der Taufe der ersten Kinder, beim Tod der Eltern, bei fast allen wichtigen Stationen in ihrem, in eurem Leben seid ihr gekommen und ich habe euch bereitwillig meine Türen geöffnet. Doch ich will nicht nur der festliche Rahmen für eure Familienfeste sein. Ich wünsche mir, dass ihr in meinen Mauern Gott selbst gegenübersteht. Doch dazu kann ich euch nur meine Türen offenhalten und das will ich tun. Für das andere, für das Leben zwischen meinen Mauern müsst ihr selber sorgen.  
Dann habt ihr verstanden, was der Psalmbeter meint:
 
HERR, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt. 
Eure Bernauer Kirche St. Marien


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