St. Marienkirche Bernau, Foto: S. Steinheisser
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„Brich dem Hungrigen dein Brot“

Liebe Gemeinde,
während ich dieses Monatswort schreibe, weiß ich noch nicht, wie wir Weihnachten feiern werden. Es ist ein ganz seltsames Gefühl, kein klares Bild davon zu haben, was in wenigen Wochen sein wird. Dass die Adventszeit anders als gewohnt verläuft, ist jetzt schon klar. Kein Adventskonzert in unserer Kirche, kein Großeinkauf in Berlin, keine Weihnachtsmärkte und keine Weihnachtsfeiern. Und obwohl es zum klassischen Repertoire der Kirche gehört, den vorweihnachtlichen Stress zu kritisieren, gestehe ich gerne ein, dass ich ihn vermissen werde. Diese Adventszeit und Weihnachtszeit wird keine Zeit der Gemeinschaft werden. Und während ich mir so meine Gedanken mache, wie der Dezember 2020 aussieht, erklingt das Monatswort in meinem Ohr:

„Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!“

Im Jahre 538 vor Christus geschah ein Wunder. Nach 50 Jahren Exil in Babylon durften viele Israeliten zurück in die Heimat. Eine Nachricht, die von Hoffnungen und Träumen begleitet wurde. Doch zuhause angekommen, fand man ein Land vor, in dem Armut, Unrecht und Not herrschte. Ein paar wenige Reiche besaßen viel, doch die Mehrheit hungerte. Und genau zu diesem Zeitpunkt trat ein Schüler des Propheten Jesajas auf, und warb mit großer Leidenschaft dafür, aufeinander Acht zu geben, füreinander zu sorgen und sich als eine Gemeinschaft zu verstehen.

„Entziehe dich nicht deinem Fleisch und Blut.“ Das gilt auch für uns im Jahr 2020, denn dieses Jahr bleiben Menschen zurück. Viele vereinsamen, das Geld wird knapp, Geschäfte, Cafés und Restaurants müssen aufgegeben werden, Künstlerinnen und Künstler überlegen ihren Beruf zu wechseln, Wohnungslose Menschen meiden die Notunterkünfte, da sie Angst haben, nach einem positiven Test isoliert zu werden und manche verlieren das Vertrauen in den Staat. Doch auch wenn wir die Kontakte reduzieren müssen, heißt das nicht, dass wir nicht füreinander da sein dürfen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Wir können telefonieren, Briefe schreiben und dort wo es zu verantworten ist, können wir auch einzelne Menschen besuchen oder einladen, um ihnen ein stückweit die Einsamkeit zu nehmen. Wir können spenden, für diakonische Projekte, für Hilfsorganisationen, für die Kultur. Wir können unsere Restaurants und Cafés unterstützen, indem wir dort unsere Lieblingsspeisen abholen. Und wir können immer wieder Zeichen der Hoffnung setzen. Ich hoffe sehr, dass uns das als Gemeinden an Weihnachten gelingt, wie immer das auch aussehen wird.

Die Adventszeit ist eine Fastenzeit. Im Kirchenjahr hat sie die gleiche Farbe, wie die Passionszeit und der Karfreitag. Maria und Josef sind in existentieller Not, werden abgewiesen und stehen vor verschlossenen Türen, bis sie den rettenden Stall finden. Und erst dann erstrahlt in der Dunkelheit ein Licht. Das Licht ist da, selbst wenn wir es in diesem Winter nur ganz schwach wahrnehmen. Doch es wird heller werden. Und vielleicht werden wir irgendwann in der Zukunft einmal alle ohne Abstand in der St. Marien Kirche sitzen und gemeinsam der Bach Kantate „Brich dem Hungrigen dein Brot“ lauschen. Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit.

Ihr Pfarrer Daniel Rudolphi


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